Reisen

Anregungen um mehr aus seiner Reise zu machen

Lesezeit: 6 Minuten

Wie kann ich mehr aus einer Reise machen? Hier möchte ich euch zwei Ideen präsentieren wie aus einem Urlaub eine intensive Reise werden kann.

In meinem pulitzerverdächtigen Post über Slow Travel, das langsame Reisen, habe ich über Dan Kieran gesprochen und wie seine Idee vom Reisen zu einem intensiveren Erlebnis führt. Ein paar Ideen finde ich zu wichtig als dass ich sie unter den Tisch fallen lassen möchte. Und damit es nicht zu lang wird habe ich den Moses gemacht und das (Text)Meer in zwei Teile geteilt. Ich werde versuchen den ersten Teil nicht zur Voraussetzung für das Verstehen von diesen zu machen, auch wenn es nicht schadet diesen zu kennen.

Planen oder Treibholz

Planen und Spontanität scheinen Gegenpole voneinander zu sein, die sich abstoßen. Die meisten Menschen tendieren entweder zum einen oder zum anderen. Und jede Seite hat ihre Berechtigung.

mehr aus einer reise machen und intensiv erlebenWer ohne Ideen, was er gerne sehen möchte, verreist, der schwebt in der akuten Gefahr nichts zu sehen. Es ist viel einfacher etwas zu unternehmen, wenn man schon eine Idee hat was man machen will. Es ist viel einfacher zu etwas sehenswertem zu fahren, wenn man sich schon damit auseinandergesetzt hat wie man dort hinkommt. Denn wer ohne Idee ist was er machen will der hat eine viel größere Wahrscheinlichkeit einfach nur im Hotel rumzuhängen und nichts zu tun. Das ist total in Ordnung, wenn es das ist was man tun will, es ist aber eine reine Zeitverschwendung und Energiebremse, wenn man es nur tut, weil man den Arsch nicht in die Höhe bekommt. Planung hilft enorm den Wiederstand zu reduzieren und in die Gänge zu kommen.

Doch jeder kennt auch die dunkle Seite der Planung: Die klischeehaften Powerreisenden, meistens aus Asien, die Europa in 5 Tagen durchballern. Dort treibt der Reiseleiter nach 30 Minuten seine Gruppe zusammen, sie müssen weiter weil sonst der Plan nicht aufgeht und sie zu spät für die Reservierung im Hofbräuhaus kommen. So extrem muss es gar nicht sein, aber es zeigt die hässliche Fratze der Planung gut auf. Und weil man so es auch nicht haben will ist man lieber ganz spontan und bereitet gar nix vor.

Auf die Balance kommt es an

Als ob es nur schwarz oder weiß im Leben geben würde. Alles Planen oder nur Spontan. Wer lernt, nicht nur auf Reisen, diese beiden Pole in seinem Leben zu vereinigen, der kombiniert das Beste aus zwei Welten. Der wird sich auf der Reise aufmachen, weil er die berühmte kurische Nehrung sehen will. Doch weil er unterwegs ein unscheinbares Café in einer verfallenen Mühle an einer löchrigen, kaum befahrenen Grenzstraße sieht und dort Halt macht bekommt er die beste Erdbeersuppe mit Champagner der Welt vorgesetzt (ein konstruiertes Beispiel, das so nie vorgekommen ist). Es ist gut sich an seine Planung zu halten, doch wenn einem etwas besseres über den Weg läuft die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

So will ich meinen kleinen Rage über die Top 10 Sehenswürdigkeitenliste aus dem ersten Teil nicht falsch verstanden wissen. Ich habe nichts gegen Listen und nichts gegen Planung und nichts gegen Ziele. Weder im Alltag noch im Urlaub. Es geht darum nicht Stumpf eine Liste abzuarbeiten, die man am besten nicht einmal selbst erstellt hat, sondern die auflistet was andere gerne sehen. Und es geht darum sich deswegen nicht auf den Ort und die Menschen einzulassen.

Ein anderer Reiseführer

reiseführer können helfen mehr aus reise zu machenReiseführer sind für mich ein ganz spezielles Thema, auf das ich hier gar nicht groß eingehen will. Die Spanne beginnt bei den einen mit Infos und Hintergrundwissen bombardierenden Baedeker Reiseführern und geht über die mehr oder weniger nichts sagenden Marco Polos bis zu den sehr pragmatischen Lonely Plantes, die gut beschreiben wie ich wo hinkomme, aber mir nicht sagen warum ich dort überhaupt hinwollen möchte.

Dan Kieran beschreibt in seinem Buch eine weitere Kategorie des Reiseführers. Man kann eine Reise nämlich auch entlang eins literarischen Werks beschreiten. Das ist ein wenig wie die Harry Potter Reisen, in denen man all die Orte besucht, wo der Film gedreht wurde. Er selbst beschreibt eine Reise nach Prag, auf der er die Stationen des Buches besucht und vor Ort die entsprechenden Passagen des Buches gelesen hat, was sowohl dem Buch als auch den besuchten Orten eine neue Lebendigkeit gegeben hat.

Misslungener Selbstversuch

Ich mag diese Idee und habe das selbst auch mal mit einem Hörbuch probiert. Dazu brauchte ich schon mal eines, dass in der entsprechenden Region spielt. Da gab es nicht sonderlich viel Auswahl, und so habe ich mich dann für das einzig Verfügbare entschieden. Die Geschichte habe ich vor Ort im Auto gehört und bin darum auch nicht zu den Orten gefahren, von denen die Geschichte handelt. Und die Geschichte war scheiße langweilig und hat mich nicht interessiert. Aber trotzdem glaube ich, dass der Ansatz ein guter ist.

Was lief also bei mir falsch? Zum einen habe ich eine Geschichte genommen die ich nicht kannte. Dadurch war es gar nicht möglich zu den Orten des Geschehens zu fahren, da mir diese unbekannt waren. Und ich würde nur noch mit einer Erzählung unterwegs sein die mich auch interessiert, die ich selbst spannend finde. Für eine 0-8-15-Geschichte, die einem nichts bedeutet, lohnt sich das nicht.

Anstatt einer literarischen Geschichte könnte man natürlich auch Geschichte im Sinne von Historie nehmen, sich mit einem einfachen Fachbuch beschäftigen und anhand der dadurch gewonnen Erkenntnisse die Umgebung betrachten. Kirchen anschauen ist oft ein eher langweiliges Geschäft, aber mit einem Buch über barocke Architektur oder Bildersprache nimmt man die Umgebung anders wahr. Oder ein Hörbuch über die lokale Geschichte und damit die Umgebung erkunden. Oder bei einer eher wanderorientierten Reise ein Buch über Tierspuren lesen und mit diesem Blick unterwegs sein. Ich stelle mir das spannend und ergiebig vor.

lesen am richtigen ort macht mehr aus reise und buch

Oder man reist nicht die Orte ab, in denen es in dem Buch geht, sondern sucht sich Orte die der Stimmung entsprechen. Eine gruselige Passage wird in einem modrigen Keller oder Höhle gelesen, die Verfolgungsjagd an einer belebten Straße. Das würde auch für Fantasyromane gehen, deren erfundene Orte eher schwierig in der realen Welt zu bereisen sind. Aber die Begegnung mit Baumbart aus dem Herrn der Ringe kann in einem alten Wald gelesen werden, die Belagerung von Helms Klamm während man in einer alten Festungsanlage ist. Natürlich ist mir klar, die Passagen im Herrn der Ringe sind zu lang um das tatsächlich zu machen, es geht ja drum das Prinzip zu verdeutlichen. Und man kann ja auch nur Auszüge aus den Kapiteln lesen.

Ich finde die beiden Ansätze gut geeignet, um eine Reise zu einem intensiveren Erlebnis zu machen. Nur von einem Ort zum anderen zu fahren und ein paar Selfies zu machen ist mir zu wenig. Ich möchte von den Orten, die ich besuche, mehr mitnehmen als ein volle Speicherkarte auf dem Handy. Und auf Reisen die Balance zu finden zwischen Zielstrebigkeit und einem sich im Moment treiben lassen ist ein guter Weg dafür. Ganz abgesehen davon dass es auch eine gute Lektion fürs Leben ist. Und auch das Erleben eines Ortes durch eine andere Perspektive, seien es Fakten oder Fantasy basierend, ist eine tolle Möglichkeit.

Glaubt ihr das die Ideen funktionieren oder habt ihr so etwas selbst schon einmal ausprobiert? Oder habt ihr ganz andere Tipps auf Lager, wie ihr Reisen bewusst erlebt? Dann lasst uns darüber in den Kommentaren ins Gespräch kommen.

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