Leidenschaft

Die Wohnung als Zentrale

Lesezeit: 4 Minuten

Der heutige Post ist ein Experiment. Man hat es vielleicht nicht gemerkt, aber für die bisherigen Posts habe ich mich hingesetzt und mir im Vorfeld etwas überlegt, einen roten Faden im Kopf gehabt. Heute probiere ich etwas anderes. Es gibt da einen Gedankengang, der mich beschäftigt und dem ich nachgehen will. Und das werde ich direkt, quasi live, hier machen. Sozusagen ein Twitch-Stream für Blogs. Ich habe keine Ahnung wo es hin geht und ob das am Ende lesbar und verständlich ist, aber ich probiere es einfach mal aus.

Wie alles Begann

Vor etwa 3 Wochen ist mir bewusst geworden, dass ich ziemlich viel zu Hause bin und viel vor dem PC sitze, obwohl viele der Sachen die ich tun will dort nicht stattfinden. Aus dieser Beobachtung hat sich der Leitsatz „Meine Wohnung ist nicht das Zentrum, sondern die Zentrale“ entwickelt und die Idee, die Nachmittage nicht in der Wohnung zu sein. Eine Idee, die ich allerdings nicht umsetze. Insgesamt geht es mir mit dieser Parole nicht gut, da ich es als Forderung, nicht als Erlaubnis zu mehr Leben, verstehe. Und das liegt auch mit daran, dass ich gar nicht richtig verstehe worum es überhaupt geht und was das Motto, dass die Idee knackig und greifbar machen sollte, mir genau sagen will. Darum will ich das für mich selbst klären.

Es ist nicht schlimm zu Hause zu sein. Ich habe eine schöne Wohnung in der ich mich sehr wohl fühle, und es ist für mich wichtig einen Rückzugsort zu haben wo ich für mich sein kann, wo ich die Muße habe in mich gekehrt mich um mich zu kümmern, meinen Gedanken und Ideen nachgehen kann, diese formulieren kann, reflektieren kann.

Es ist auch nicht schlimm den Computer zu benutzen. Vieles, wie der Blog, Recherchen oder Planungen, brauchen den Computer. Und diese Dinge zu tun ist notwendig damit ich Sachen machen kann die ich gerne tue. Wenn ich etwas wissen will zu einem Thema das mich interessiert dann lese ich im Internet darüber. Wenn ich Wandern gehen will dann suche ich eine schöne Route raus. Einen Blog zu schreiben und die Seiten ausgedruckt bei mir an die Wohnungstüre zu heften wie Luther seine Thesen würde zwar gehen, aber niemand würde es lesen. Wobei, vielleicht hätte ich damit mehr Lesen als hier.

Es geht also nicht darum das zu Hause sein zu verteufeln oder das Arbeiten am Computer zu verteufeln. Das sind Dinge die ihre Daseinsberechtigung haben. Es geht darum, dass ich dort zu oft rumhänge, weil es einfacher ist, bequemer ist, gewohnter ist, als das zu tun was ich eigentlich tun will.

Bruchtal als Zentrale

Als sich das Motto „Meine Wohnung ist nicht das Zentrum, sondern die Zentrale“ ergeben hat, da hatte ich das Bild einer militärischen Einsatzbasis im Kopf. Ein Zentrum wo das Equipment lagert für die Einsätze, wo Wunden geheilt werden, man sich ausruht, plant und bespricht und die letzten Aufträge reflektiert. Das sind Funktionen einer Zentrale. Jetzt wo ich darüber nachdenke merke ich man kann es auch mit Bruchtal vergleichen. Das ist der Ort im Herr der Ringe, wo die Hobbits und Aragon Heilung für Frodos Wunde bekommen, wo Elronds Rat sich trifft um zu besprechen was mit dem Ring geschehen soll, wo die Ringgemeinschaft sich bildet, wo Gandalf hingeht um sich im Weißen Rat auszutauschen, wo Frodo das Kettenhemd aus Mithril bekommt, das ihm in Moria das Leben rettet. Im Grund hat dieses Bild die gleiche Aussage wie die Militärbasis, aber es gefällt mir besser.

Dieses Motto wird dadurch schwierig, dass meine Unternehmungen nicht alle außerhalb der eigenen 4 Wände stattfinden. Bloggen ist nun mal einfach am Einfachsten, wenn ich zu Hause bin, da ich hier eine Tastatur habe, mit der ich schneller schreiben kann als am Laptop. Außerdem lässt mein Laptop, seit er aus dem Bett gefallen ist, sich nicht mehr zusammenklappen. Und auch meine kleine Werkstatt und mein Werkzeug ist hier, wenn ich etwas bauen will. Es gibt also Fälle, in denen hier nicht nur Zentral- sondern auch Zentrumsfunktionen erfüllt werden. Damit kann das Motto nicht als absolut verstanden werden und ich muss mit Reife und Ehrlichkeit mich fragen ob ich, wenn ich hier nicht Zentralfunktionen nachgehe, trotzdem gerade Zentrumsfunktionen erledige oder mich verstecke. Ich bin mir nicht sicher ob ich damit alle Fragen für mich beantwortet habe, aber ich glaube damit nun genug Klarheit zu haben um dieses Prinzip anwenden zu können, und darum ging es mir. mission accomplished.

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