Reisen

Eine irrationale Faszination für Südkorea

Lesezeit: 5 Minuten

Endlich mal wieder eine Blogparade zu der ich etwas beitragen kann. Danke Michelle für die Gelegenheit, etwas über mein Lieblingsland Asien zu schreiben. Passend dazu habe ich mir erst Mal einen Humpen Hakushu 12, ein japanischer Whisky, eingegossen. Falls mein Schreiben also in unverständlichem Gelalle endet, dann ist das die Erklärung.

Ich würde ja gerne sagen, diese Whiskyflasche ist ein Erinnerungsstück aus Japan, und dann könnte man darüber schwadronieren, dass die Erinnerungen langsam genauso weniger werden wie der Flascheninhalt, bis nur noch der Dunst einer verklärten Vergangenheit übrigbleibt. Leider ist die Wahrheit, dass es zwar ein Erinnerungsstück aus dem Land der aufgehenden Sonne ist, jedoch keines von mir. Ich habe es geschenkt bekommen, vielleicht um meine Trauer, dieses Land nicht besucht zu haben, darin zu ertränken.

Ich wäre allerdings mal fast in Japan gewesen. Ist schon etwas her, da habe ich einen Freund in Malaysia besucht. Immer wieder hatte er mich eingeladen, mir erzählt wie schön es wäre, wenn ich ihn mal daheim besuchen würde. Bis ich dann vor seiner Türe stand – natürlich mit ausreichender Vorankündigung. Was folgte waren ein paar anstrengende Tage. Denn auch wenn es mir niemand sagte, ich war ihm und seiner Family eine Last. Alle hatten sie viel zu tun, und dann muss auch noch dieser Simpel aus Deutschland bespaßt werden. Ich war das klassische fünfte Rad am Wagen.

Spontan nach Südkorea

Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt noch Freunde in Südkorea zu besuchen und von dort aus dann nach Japan zu fliegen, bevor es zurück nach Deutschland geht. Wenn ich schon in der Gegend bin, warum auch nicht. Meine Mutter hält mir diesen Satz bis heute vor. Keine Ahnung wie ich das sagen soll ohne als Besserwisser dazustehen, aber der Humor dieser Aussage ergibt sich beim Blick auf die Landkarte. Leider meldeten sich meine Freunde in meiner Planungsphase nicht, weshalb ich das Vorhaben zu den Akten legte. Doch da meine Zeit in Malaysia für alle Beteiligten kein großes Vergnügen war beschloss ich doch nach Seoul zu fliegen und ihnen einen spontanen Besuch abzustatten. Also habe ich den Flug gebucht und einen Tag später auch die Freunde dort erreicht um ihnen zu sagen, dass ich morgen da bin.

Reisechaos und eine frohe Begrüßung

Der Flug war der reinste Horror. Wir sind mitten durch einen schlimmen Sturm geflogen, selbst den Stewardessen sah man die Angst an. Endlich in Incheon angekommen nahm ich erst mal den Bus in die völlig falsche Richtung. Irgendwann wusste ich zwar, dass ich falsch bin, aber nicht wo ich hinmuss. Kein Mensch konnte Englisch. Es war ein großes Chaos, doch schließlich fand ich die U-Bahn-Station, wo meine Freunde schon seit 3 Stunden auf mich warteten. Und von dort an wurde alles sehr, sehr gut.

Wenn ich erzählen soll – oder will, denn ich werde viel zu selten danach gefragt – was ich dort gemacht habe, dann ist das gar nicht so einfach. 10 Tage war ich dort, doch nichts davon rechtfertigt nach objektiven Gesichtspunkten warum es mir dieses Land so angetan hat. Von Minute 1 an wurde mir das Gefühl gegeben willkommen zu sein. Das Ehepaar, das ich dort besuchte, hat mir am Anfang etwas gesagt, was ich auch meinen Gästen aus dem Ausland seither gerne sage.

Du kannst alles probieren was es zu Essen gibt. Egal ob wir für dich kochen oder bei Freunden oder Familie oder im Restaurant sind, du musst dich für nichts rechtfertigen was auf dem Teller oder gleich im Topf bleibt.

Das war ein echtes Wow für mich. Was für eine immense Freiheit mir das gegeben hat.

Seidenraupen

Es gab fantastisches Bibimbap, während ich die eingelegten Seidenraupen zwar probiert habe, aber nur eine einzige. Nie im Leben habe ich davor oder danach etwas ähnlich Widerliches gegessen. Der Geruch. Der Geschmack. Die Konsistenz. Und da ich ein guter Mensch bin habe ich ein paar Dosen dieser Delikatesse für Familie und Freunde mitgebracht. Nur eine Dose wurde geöffnet, und ich durfte zu meiner großen Freude mitschlemmen. Eine der Dosen habe ich als eiserne Reserve immer noch im Schrank. Falls die Zeiten mal wirklich schlecht werden.

Außer Essen haben wir tatsächlich nicht viel gemacht. Wir haben Volleyball und Badminton gespielt, ein Fußballspiel der Premiere League geschaut, waren in ihrer Kirche, bei ihren Eltern, ihren Geschwistern. Habe ich Seoul gesehen? Fehlanzeige. War ich an der Grenze zu Nordkorea? Fehlanzeige. Habe ich das Gefühl etwas verpasst zu haben? Fehlanzeige. Es waren ganz fantastische 10 Tage, die ich nicht missen möchte. Wegen der beiden Freunde dort habe ich ein ganzes Land ins Herz geschlossen. Und weil mein Herz so groß ist den Großteil des Kontinents mit dazu. Und ich bin froh, dass ich in Südkorea pleite war, denn so hatte ich kein Geld mehr um noch nach Japan weiterzufliegen. Ich hätte mir zwar dann mein eignes Mitbringsel kaufen können, aber hätte weniger Zeit in Südkorea gehabt.

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2 Gedanken zu „Eine irrationale Faszination für Südkorea

  1. Danke für deinen schönen Beitrag!
    Es ist sicher kein schönes Gefühl, wenn man sich als das fünfte Rad am Wagen fühlt. Aber Asiaten sind häufig einfach zu höflich um es zuzugeben. Schön, dass deine Erfahrungen in Südkorea so viel besser waren. Manchmal muss man nicht viel vom Land sehen um es ins Herz zu schließen 🙂
    Südkorea und Japan möchte ich auch ganz unbedingt mal besuchen!

    <3
    Michelle

  2. Das habe ich jetzt so richtig gerne gelesen – Südkorea fand ich auch so nah zu uns, irgendwie passt das Klima, die Menschen sind offen und ähnlich wohlhabend, haben ähnliche Hobbys, das Essen ist gut, das passt. Perfekt, was Du dort erlebt hast, ohne viel zu erwarten. Das normale Leben, und das gehört zum Reisen dazu.

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