Leidenschaft

Einer statt Alles

Lesezeit: 3 Minuten

Koreanisch lernen? Am Blog weitertüfteln? Material suchen für meine aktuellen Ideen? Eine Geschichte schreiben? Als ich gestern Abend nach Hause gekommen bin stand ich vor genau diesen Fragen. Was will ich noch machen bevor ich Heia mache (Sprachhilfte für die Nicht-Süddeutschen: Damit sagt man jemand geht schlafen). Mein Problem dabei war, ich wollte alles machen, weil ich auf alles Lust hatte. Wie konnte es passieren, dass aus dieser erfreulichen Situation unerfreuliche, langweilige Stunden wurden? Denn statt eines der Vorhaben anzugehen hab ich bis in die frühen Morgendstunden irgendwelchen Blödsinn auf Youtube angeschaut. Dadurch habe ich nicht nur gestern den Abend, sondern heute auch noch die ersten Morgendstunden verloren. Was ist da passiert?

Der Wunschzettel eines Kindes

Die Standartantwort lautet fehlende Disziplin oder Faulheit. Es gibt ne Menge Situationen in denen das richtig ist. Für gestern Abend gilt das aber nicht. Ich konnte mich nicht entscheiden. Nein, ich wollte mich nicht für etwas entscheiden, weil das auch bedeutet mich für diesen Moment gegen die anderen Möglichkeiten zu entscheiden. Mein Denken war wie wenn ein kleines Kind einen Wunschzettel schreibt.

Liebes Christkind, dieses Jahr brauchst du die Hilfe vom Osterhasen und Supermann nicht, weil ich ganz bescheiden bin. Ich will nur die neue Burg von Playmobil mit allem Zubehör. Und ich will aber auch die Feuerwehr von Lego und die Raumsation und neue Turnschuhe und eine Playsation und einen kleinen Elefanten. Der ist ganz, ganz wichtig. Und außerdem will ich noch…

Ich will Alles! Und nicht nur das Denken war wie das eines Kleinkindes, auch die Reaktion: Mit verschränkten Armen mich in die Ecke hocken und finster kucken. Immerhin hab ich nicht gebrüllt. Wegen der Nachbarn. Und es hat dazu geführt dass ich am Ende mit leeren Händen da stand und gar nix hatte. Ich wollte alles und bekam nichts.

Außer bei Geschlechtskrankheiten ist gar nix haben schlechter als nur eine Sache haben. Darum ist es nun an der Zeit dieses Denkmuster in einem anderen Licht zu betrachten und eine reifere Perspektive zu entwickeln, um nächstes Mal nicht wieder mit Nichts dazustehen.

Nicht jetzt statt nie

Jede Entscheidung ist mit Opportunitätskosten verbunden. Oder anders gesagt: Wäre ich ein Tintenfisch mit mehreren Gehirnen, dann könnte ich viele Sachen gleichzeitig machen und bräuchte keine Entscheidung zu treffen. Da ich das aber nicht bin, wofür ich zumindest aus ästhetischen Gesichtspunkten sehr dankbar bin, ist jede Entscheidung etwas zu tun damit auch verbunden in diesem konkreten Moment etwas anderes nicht zu tun. Wenn ich nur eine Sache habe ich tun will dann macht das die Entscheidung leicht. Bei mehreren Optionen ist diese Entscheidung dann nicht mehr ganz so leicht. Wichtig ist hier im Blick zu behalten es ist eine Entscheidung für den Moment, für eine bestimmte Zeit. Wenn ich mich jetzt dazu entscheide einen Artikel für den Blog zu schreiben dann bedeutet es nicht nie mehr koreanisch zu lernen, sondern nur jetzt kein koreanisch zu lernen. Aber nach dem Mittagessen gibt es ja auch noch ein freies Zeitfenster. Dieses Bewusstsein macht es leichter die Opportunitätskosten der Entscheidung zu tragen.

Mehr lesen...

Neuester Artikel

Neuester Artikel zur Leidenschaft

Lieber noch was zum Wandern?

Urlaub+

Lesezeit: 3 Minuten Bis vor ein paar Tagen war im sonnigen Krakau in Urlaub und bin nun wieder in der grauen Realität des Alltags zu Hause angekommen. Der Unterschied ist gravierend zwischen diesen beiden Zuständen. Kann der Alltag nicht wie der Urlaub sein? Nein, kann er nicht. Es gibt einen offensichtlichen Unterschied
Weiterlesen

Urlaub+

Lesezeit: 3 Minuten Bis vor ein paar Tagen war im sonnigen Krakau in Urlaub und bin nun wieder in der grauen Realität des Alltags zu Hause angekommen. Der Unterschied ist gravierend zwischen diesen beiden Zuständen. Kann der Alltag nicht wie der Urlaub sein? Nein, kann er nicht. Es gibt einen offensichtlichen Unterschied
Weiterlesen

Urlaub+

Lesezeit: 3 Minuten Bis vor ein paar Tagen war im sonnigen Krakau in Urlaub und bin nun wieder in der grauen Realität des Alltags zu Hause angekommen. Der Unterschied ist gravierend zwischen diesen beiden Zuständen. Kann der Alltag nicht wie der Urlaub sein? Nein, kann er nicht. Es gibt einen offensichtlichen Unterschied
Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.